Vergib uns unsre Schulden, wie wir vergeben unsern Schuldigern!
Ach, Herr, wir sind deren keines wert, das wir bitten, haben's auch nicht verdient mit all unsern Sünden. Wir beten wohl: Vater unser, der du bist in dem Himmel; aber wir haben dein frommes Vaterherz so oft betrübt, und sind nicht wert, deine Kinder zu heißen. Wir beten wohl geheiligt werde dein Name; aber wie oft wird dein hochgelobter Name unter uns missbraucht, verachtet und entheiligt! Wir beten wohl: zu uns komme dein Reich; aber wie oft stoßen wir selber dein Reich von uns, und laufen dem Eitlen nach, statt dem Einen, was not ist. Wir beten wohl: dein Wille geschehe; aber wie oft haben wir selber geflissentlich deinen Willen übertreten, und dem Fleisch, der Welt und dem Satan, statt unserem Gott und dem Heiland gedient! Wir beten wohl: unser täglich Brot gib uns heute; aber fürwahr, wir sind auch deines leiblichen Segens nicht wert durch so viel Undank, Ungehorsam, Unglauben, Kleinglauben und sündlichen Missbrauch deiner Gaben. Du, Herr, bist gerecht, wir aber müssen uns schämen. Wir alle, Große und Kleine, Hohe und Niedere, haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen und abtrünnig geworden, wir sind von deinen Geboten und Rechten gewichen. Darum, o du heiliger und gerechter Gott, fehlt so oft das Gedeihen bei unserm Tagewerk und die Freude in unsern Häusern und der Friede in unsern Herzen. Darum aber auch, o du gnädiger und barmherziger Gott, flehen wir zu dir: vergib uns unsere Schulden! Siehe, wir liegen vor dir mit unserem Gebet, nicht auf unsere Gerechtigkeit, sondern auf deine große Barmherzigkeit. Um deiner Barmherzigkeit willen, um unseres Heilandes Jesu Christi willen: vergib uns unsere Schulden! Schenk uns ein bußfertiges Herz, dass wir unsere Missetat erkennen und uns bekehren zu dir, und dann nimm die Last von unserem Gewissen und lass leuchten dein Antlitz, dass wir genesen. Lass uns auch jetzt, o du Vater der Barmherzigkeit und Gott alles Trostes, da wir gebeugt vor deinem Angesicht stehen, das Gnadenwort in unsern Herzen vernehmen: sei getrost, deine Sünden sind dir vergeben, damit wir in deinem Frieden hingehen und hinfort nicht mehr sündigen. Höre unser Gebet, Herr, und vernimm unser Schreien und schweige nicht über unseren Tränen: Vergib uns unsere Schulden! Amen.
Gott, der du allen gütig,
Barmherzig, gnädig und langmütig,
Doll Treue, Huld und Liebe bist:
Sieh, wie ich meine Sünde
Mit reuendem Gemüt empfinde,
Die groß und viel und gräulich ist!
Sieh, wie mich dieses schmerzt!
Ich hab' versäumt, verscherzt
Deine Gnade,
So viel Geduld,
So große Huld,
Und zwar aus meiner eignen Schuld.
Vergib mir mein Verbrechen;
Denn willst du unsre Sünde rächen,
Wer will vor deinem Zorn bestehn?
Du drohst nach vielem Locken
Ein Herz mit Blindheit zu verstocken,
Das nicht auf deinen Wink will sehn;
Vergib, o Vater, mir!
Ach, mein Herz seufzt zu dir:
Gnade, Gnade!
Ach, gehe nicht
In dein Gericht;
Verbirg mir nicht dein Angesicht!
Lass alle meine Kräfte,
Gedanken, Reden und Geschäfte
Durch deine Gnade heilig sein.
Lass meinen bösen Willen
Nichts wollen, lieben und erfüllen,
Was dieser wirkt, kann nicht gedeihn.
Ist etwas recht vor dir:
Zu solchem schenke mir
Deine Gnade,
Denn was beruht
Auf Fleisch und Blut,
Ist, guter Gott, vor dir nicht gut.
Amen.
(Ph. Fr. Hiller.)